Am Abend des 23. April fand bei unserer Feuerwehr eine umfassende Schadstoffübung statt. Zwischen 19:00 und 21:00 Uhr trainierten insgesamt 20 Mitglieder den sicheren Umgang mit gefährlichen Stoffen sowie wichtige Abläufe im Ernstfall.
Vorbereitung und Ziel der Übung
Im Mittelpunkt der Übung stand der Umgang mit spezieller Ausrüstung, die bei Einsätzen mit Schadstoffen benötigt wird. Dazu zählen unter anderem Materialien zum Abdichten von Leckagen, Auffangsysteme für auslaufende Flüssigkeiten sowie der Aufbau einer sogenannten Not-Dekontamination – also einer schnellen Reinigung von Personen, die mit gefährlichen Stoffen in Kontakt gekommen sind.
Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf unserem neuen Hilfeleistungsfahrzeug, dem HLF3. Dieses Fahrzeug ist speziell erweitert ausgestattet und übernimmt künftig zentrale Aufgaben im Schadstoffbereich. Gemeinsam mit unserem LAST-Fahrzeug und den sogenannten „Rollcontainern Schadstoff“ bildet es nun unsere neue Schadstoffeinheit.
Das Übungsszenario
Angenommen wurde ein Verkehrsunfall innerhalb eines Chemiebetriebs: Ein LKW war mit einem sogenannten IBC-Container (ein großer Flüssigkeitsbehälter) beladen, der Heizöl transportierte. Durch den Unfall wurde dieser beschädigt und begann auszulaufen.
Zusätzlich kollidierte der LKW mit einer Pritsche (kleineres Transportfahrzeug), auf der sich weitere Behälter mit gefährlichen Stoffen befanden. Gleichzeitig wurde ein Mitarbeiter im Gefahrenstoffraum vermisst.
Maßnahmen der Feuerwehr
Ein Atemschutztrupp – also Feuerwehrmitglieder mit spezieller Schutzausrüstung und Atemgeräten – begann sofort mit der Abdichtung des beschädigten Containers. Mithilfe einer Rettungsplattform konnten sie sicher zur Schadstelle aufsteigen und das Leck abdichten.
Parallel dazu wurden auf der Pritsche mehrere beschädigte Behälter gesichert:
- Ein 200-Liter-Fass wurde mit einer speziellen Dichtplatte verschlossen
- Ein 60-Liter-Fass wurde mit Dichtkeilen und Stopfen abgedichtet
- Die darin befindliche Flüssigkeit wurde anschließend mit einer Notfallpumpe umgepumpt
Da sich in unmittelbarer Nähe auch Kanalschächte befanden, bestand die Gefahr, dass Schadstoffe ins Abwassersystem gelangen. Deshalb wurden diese vorsorglich abgedichtet – einmal mit einer Schachtabdeckung und zusätzlich mit sogenannten Chemiesperren.
Menschenrettung unter Gefahr
Zeitgleich wurde eine Personensuche im Gefahrenstoffraum durchgeführt. Der vermisste Mitarbeiter konnte rasch gefunden werden: Er war gestürzt und unter einem Fass eingeklemmt.
Die Einsatzkräfte befreiten die Person und brachten sie aus dem Gefahrenbereich. Da der Mitarbeiter mit Schadstoffen in Kontakt gekommen war, wurde er anschließend zur Dekontamination gebracht. Dort erfolgte eine gründliche Reinigung, um gesundheitliche Risiken zu minimieren.
Der Dekontaminationsplatz diente außerdem dazu, wichtige Informationen über die beteiligten Stoffe einzuholen – etwa deren Gefährlichkeit oder notwendige Schutzmaßnahmen.
Schutz der Umgebung
Um die Ausbreitung gefährlicher Dämpfe zu reduzieren, wurde zusätzlich ein verstellbares Hydroschild eingesetzt. Dieses erzeugt einen feinen Wassernebel, der Schadstoffe aus der Luft bindet und so die Umgebung schützt.
Abschluss der Übung
Nach erfolgreichem Abschluss der Übung fand eine gemeinsame Nachbesprechung statt. Dabei wurden die Abläufe analysiert und Verbesserungspotenziale besprochen.
Anschließend rückten alle Kräfte wieder ins Feuerwehrhaus ein. Wie nach jedem Einsatz wurden sämtliche Geräte gereinigt, überprüft und wieder einsatzbereit gemacht.
Fazit
Solche Übungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Sie helfen uns, im Ernstfall schnell, sicher und effektiv handeln zu können – zum Schutz der Bevölkerung, der Umwelt und natürlich unserer eigenen Einsatzkräfte.